25.08.2007
Kann man heute verantworten, Kinder in die Welt zu setzen?
Mainz, 23. August 2007. - Kann man heute verantworten, Kinder in die Welt zu setzen? Viele Deutsche, traditionell eher pessimistisch gestimmt, haben diese Frage lange Zeit verneint oder waren unentschieden. Aber die Stimmung in Deutschland scheint sich grundlegend zu ändern, trotz Klimawandel und meldungen, denn heute nimmt die Zahl der skeptischen Antworten auf die genannte Frage stark ab.
"Wenn jemand sagt: ,Man kann es heute gar nicht verantworten, ein Kind in diese Welt zu setzen', stimmen Sie zu oder nicht zu?" - so der genaue Wortlaut der Trendfrage, die das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) in einer aktuellen repräsentativen Umfrage im Auftrag des FORUMs FAMILIE STARK MACHEN e.V. (FFSM) rund 880 Personen ab 16 Jahren in Deutschland stellte. 12 Prozent stimmten der pessimistischen Aussage zu, während 65 Prozent sie ablehnten - ein deutlicher Wandel gegenüber Messungen in den Vorjahren.
Im Jahr 1991 stellten die Demoskopen diese Frage erstmals im vereinten Deutschland. Die Einschätzung der Menschen fiel damals wesentlich verhaltener aus. Insgesamt meinten 1991 noch gut doppelt so viele Befragte (26 Prozent), dass man es nicht verantworten könne, Kinder in diese Welt zu setzen und nur 57 Prozent waren nicht dieser Ansicht.
Dennoch fällt auf: Obwohl die Zustimmung zu dieser pessimistischen Aussage seit 1991 um 14 Prozent sank, erhöhte sich der Optimisten im Vergleich lediglich um sechs Prozent. Indessen stieg die Zahl der Unentschiedenen von 17 Prozent (1991) auf 23 Prozent (2007). Mit 30 Prozent ist dieser Anteil gegenwärtig unter jüngeren Singles im Vergleich besonders hoch (1991: 22 Prozent). Auffällig ist ferner, dass heute 84 Prozent der jungen Eltern der pessimistischen Aussage nicht zustimmen gegenüber 72 Prozent 1991. Daraus darf man folgern, dass junge Eltern sich ihrer grundsätzlichen Entscheidung für Kinder heute noch sicherer sind, als 1991.
Den positiven Trend nur auf die gute wirtschaftliche Lage zurückführen zu wollen, greift zu kurz. Auch heute stehen die Menschen massiven Problemen gegenüber - ob sozialen Veränderungen, Klimawandel oder angst. Manches spricht dafür, dass vielmehr die allgemeine Zuversicht gewachsen ist. Für das Forum Familie stark machen äußerte Professor Hubertus Brantzen deshalb die Hoffnung, dass die wachsende Zuversicht auch die Entscheidung für Kinder erleichtert.
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24.06.2007
Not am Mann
Seit dem Fall der Mauer haben über 1,5 Millionen Menschen ihre alte Heimat in den neuen Bundesländern verlassen — rund zehn Prozent der Bevölkerung zum Ende der DDR-Ära. Gegangen sind vor allem junge, qualifizierte und weibliche Personen. In der Altersklasse der 18- bis 29-Jährigen fehlen insbesondere in den entlegenen, wirtschafts- und strukturschwachen Regionen die jungen Frauen. Entsprechend herrscht dort ein Männerüberschuss von 25 Prozent und mehr. Diese Frauendefizite sind europaweit ohne Beispiel. Selbst Polarkreisregionen im Norden Schwedens und Finnlands, die seit langem unter der Landflucht speziell von jungen Frauen leiden, reichen an ostdeutsche Werte nicht heran.
Die Autoren der Studie "Not am Mann" sehen in dem Bildungsvorsprung von jungen Frauen den Hauptgrund für deren überproportionale Abwanderung: Die besseren Leistungen der Schülerinnen, die bundesweit zu beobachten sind, treten im Osten Deutschlands — und dort vor allem in den wirtschaftsschwachen Gebieten — deutlicher zutage. Da junge Frauen bessere Zeugnisse vorweisen können als ihre männlichen Altersgenossen, haben sie es anderenorts leichter, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden.
Die Folgen für die betroffenen Regionen gehen weit über den reinen Verlust an Bewohnerinnen hinaus. So fehlen aufgrund der Frauenabwanderung in den neuen Bundesländern rund 100.000 Kinder. Das Fortgehen der jungen Frauen beschleunigt auch den wirtschaftlichen und sozialen Erosionsprozess. Während sich die Mädchen schon in der Schule durch gute Leistungen auf eine mögliche spätere Abwanderung vorbereiten, fallen die Jungen weiter zurück — vermutlich, weil sie sich durch die im Umfeld verbreitete Arbeitslosigkeit unter den überzähligen jungen Männern weiter entmutigen lassen.
In den Landstrichen mit den größten wirtschaftlichen Problemen ist deshalb eine neue, von Männern dominierte Unterschicht entstanden, deren Mitglieder von einer Teilhabe an wesentlichen gesellschaftlichen Bereichen ausgeschlossen sind: Viele von ihnen haben keinen Job, keine Ausbildung und keine Partnerin. Genau diese misslichen Lebensverhältnisse erschweren es, den weiteren wirtschaftlichen und demografischen Abwärtstrend aufzuhalten oder gar umzukehren. Hinzu kommt, dass Regionen mit Männerüberschuss besonders anfällig für rechtsradikales Gedankengut sind. Aus all diesen Gründen verlieren diese Gebiete weiter an Attraktivität für Frauen: In jenen Landstrichen, aus denen bereits viele Frauen abgewandert sind, fällt auch deren weitere Abwanderung besonders dramatisch aus.
Elternhäuser wie auch Schulen reagieren bis heute nicht angemessen auf die Defizite der männlichen Jugendlichen: Einerseits ermutigen Eltern ihre Töchter tendenziell zu höherer Bildung als ihre Söhne. Andererseits führt gerade in den neuen Bundesländern ein extrem hoher Anteil weiblicher Grundschullehrer dazu, dass Jungen Ansprechpartner und Vorbilder fehlen und sie nicht adäquat motiviert werden.
Das Berlin-Institut empfiehlt in der Studie "Not am Mann" dringend ein Motivations- und Bildungsprogramm, das sich speziell den abgehängten, männlichen Jugendlichen widmet.
MehrSeit dem Fall der Mauer haben über 1,5 Millionen Menschen ihre alte Heimat in den neuen Bundesländern verlassen — rund zehn Prozent der Bevölkerung zum Ende der DDR-Ära. Gegangen sind vor allem junge, qualifizierte und weibliche Personen. In der Altersklasse der 18- bis 29-Jährigen fehlen insbesondere in den entlegenen, wirtschafts- und strukturschwachen Regionen die jungen Frauen. Entsprechend herrscht dort ein Männerüberschuss von 25 Prozent und mehr. Diese Frauendefizite sind europaweit ohne Beispiel. Selbst Polarkreisregionen im Norden Schwedens und Finnlands, die seit langem unter der Landflucht speziell von jungen Frauen leiden, reichen an ostdeutsche Werte nicht heran.
Die Autoren der Studie "Not am Mann" sehen in dem Bildungsvorsprung von jungen Frauen den Hauptgrund für deren überproportionale Abwanderung: Die besseren Leistungen der Schülerinnen, die bundesweit zu beobachten sind, treten im Osten Deutschlands — und dort vor allem in den wirtschaftsschwachen Gebieten — deutlicher zutage. Da junge Frauen bessere Zeugnisse vorweisen können als ihre männlichen Altersgenossen, haben sie es anderenorts leichter, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden.
Die Folgen für die betroffenen Regionen gehen weit über den reinen Verlust an Bewohnerinnen hinaus. So fehlen aufgrund der Frauenabwanderung in den neuen Bundesländern rund 100.000 Kinder. Das Fortgehen der jungen Frauen beschleunigt auch den wirtschaftlichen und sozialen Erosionsprozess. Während sich die Mädchen schon in der Schule durch gute Leistungen auf eine mögliche spätere Abwanderung vorbereiten, fallen die Jungen weiter zurück — vermutlich, weil sie sich durch die im Umfeld verbreitete Arbeitslosigkeit unter den überzähligen jungen Männern weiter entmutigen lassen.
In den Landstrichen mit den größten wirtschaftlichen Problemen ist deshalb eine neue, von Männern dominierte Unterschicht entstanden, deren Mitglieder von einer Teilhabe an wesentlichen gesellschaftlichen Bereichen ausgeschlossen sind: Viele von ihnen haben keinen Job, keine Ausbildung und keine Partnerin. Genau diese misslichen Lebensverhältnisse erschweren es, den weiteren wirtschaftlichen und demografischen Abwärtstrend aufzuhalten oder gar umzukehren. Hinzu kommt, dass Regionen mit Männerüberschuss besonders anfällig für rechtsradikales Gedankengut sind. Aus all diesen Gründen verlieren diese Gebiete weiter an Attraktivität für Frauen: In jenen Landstrichen, aus denen bereits viele Frauen abgewandert sind, fällt auch deren weitere Abwanderung besonders dramatisch aus.
Elternhäuser wie auch Schulen reagieren bis heute nicht angemessen auf die Defizite der männlichen Jugendlichen: Einerseits ermutigen Eltern ihre Töchter tendenziell zu höherer Bildung als ihre Söhne. Andererseits führt gerade in den neuen Bundesländern ein extrem hoher Anteil weiblicher Grundschullehrer dazu, dass Jungen Ansprechpartner und Vorbilder fehlen und sie nicht adäquat motiviert werden.
Das Berlin-Institut empfiehlt in der Studie "Not am Mann" dringend ein Motivations- und Bildungsprogramm, das sich speziell den abgehängten, männlichen Jugendlichen widmet.
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20.01.2007
Lack of Women in China
An official report in China has admitted that the skewed ratio resulting from the one-child policy and selective abortion in favour of boys may lead to "social instability". The report is the result of two years' research by more than 300 Chinese demographers. By 2020, some 30 million Chinese men will find it almost impossible to find a bride, they said. To solve the problem of selective abortion, there must be a full-fledged social security system so that rural residents do not have to depend on sons when they get old. But the government remains wedded to the one-child policy (with its exceptions) in order to keep the birthrate at its current level of 1.8. This is regarded as essential to economic growth. ~ China Daily, January 12
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07.12.2006
Bundespräsident für Familie
Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler bei der Konferenz "Familien stärken - Zukunft gewinnen" des Forums Demographischer Wandel
06.12.2006
Berlin
- Änderungen vorbehalten. Es gilt das gesprochene Wort. -
Herzlich willkommen zur zweiten Jahreskonferenz des Forums Demographischer Wandel, das ich genau heute vor einem Jahr gemeinsam mit der Bertelsmann-Stiftung ins Leben gerufen habe.
Inzwischen sind nicht nur Sie und ich ein Jahr älter geworden - auch unser Land ist etwas gealtert. In diesem Jahr, so sagen uns die Statistiker, wird der Altenquotient erstmals den Jugendquotienten übersteigen. Das heißt, auf hundert Menschen zwischen 20 und 65 kommen künftig immer mehr über 65-Jährige als unter 20-Jährige. Das ist im Grunde nur eine Momentaufnahme aus einem Alterungsprozess, der sich nun schon über Jahrzehnte erstreckt. Doch sie drängt die Frage geradezu auf:
Was bedeutet es für unser Land, für unsere Gesellschaft, wenn immer weniger jungen Menschen immer mehr Alte gegenüberstehen?
Wer sich in unseren Medien umschaut, könnte den Eindruck gewinnen, wir seien in einer aussichtslosen Lage. Da ist von "Vergreisung" die Rede und davon, dass die Deutschen aussterben.
Dramatisierungen mögen hilfreich sein, damit sich etwas bewegt. Und sicher: Der demographische Wandel ist eine große Herausforderung - für unsere Sozialsysteme, für unsere Wettbewerbsfähigkeit, für das Verhältnis zwischen den Generationen und damit für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Er ist zwar nicht die alleinige Ursache vieler Probleme, aber er verschärft sie enorm.
Doch Panik hat noch nie geholfen. Wir sollten Herausforderungen besonnen analysieren und konsequent handeln - das Forum Demographischer Wandel soll dazu beitragen. Ich freue mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind - Ihr Interesse zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Einer ist heute leider nicht mehr unter uns - der Entwicklungspsychologe Professor Paul Baltes.
Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass wir einen differenzierten und positiv geprägten Blick auf das Alter gewinnen. Seine Stimme wird fehlen, auch im Beraterkreis des Forums Demographischer Wandel.
Es ist gut, dass sich die Verantwortlichen auf allen Ebenen zunehmend darüber klar werden, dass - quer durch alle Politikfelder - kein vernünftiger Staat zu machen ist, wenn nicht die demographische Entwicklung berücksichtigt wird.
Vieles ist in Bewegung gekommen, einiges entschieden worden: Altersgrenzen wurden angehoben, ein Elterngeld eingeführt und neue Formen des generationenübergreifenden Zusammenlebens gefördert. Auszeiten vom Beruf für die Pflege von Angehörigen werden inzwischen ebenso diskutiert wie eine zeitgemäße Familienförderung und eine gerechte Verteilung von Lasten und Chancen zwischen den Generationen.
Und eins wird allen Beteiligten zunehmend klar: In einer Gesellschaft, in der der Einzelne eine immer längere Lebenserwartung hat, müssen sich die Lebensverläufe wie auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wandeln und die Generationenbeziehungen neu buchstabiert werden. Den Status quo zu bewahren versuchen, sich daran festzuklammern - das kann keine Alternative sein.
Unsere Gesellschaft steht somit vor tief greifenden Veränderungen. Doch Veränderungen sind Teil des Lebens. Im Wandel passen wir uns geänderten Verhältnissen an, im Wandel sichern wir zugleich Kontinuität und Stabilität. Das gilt auch und gerade für die Institution, die mit der Diskussion um die demographische Entwicklung besonders ins Schlaglicht geraten ist und die heute bei dieser Konferenz im Fokus stehen wird: Die Familie.
Familie ist seit jeher im doppelten Sinne beständig im Wandel - sie hat stets ihre Gestalt verändert und doch als Institution Bestand. Und allen Unkenrufen zum Trotz: Sie ist auch heute kein Auslaufmodell. Ich weiß aus vielen Gesprächen, aus Briefen und nicht zuletzt aus wissenschaftlichen Befragungen: Den meisten Menschen in unserem Land ist Familie sehr wichtig, gerade auch den jungen Leuten. Die Bindungen zwischen Eltern und Kindern sind eng und gut, ja viele sagen sogar: enger und besser als früher. Die Bereitschaft zur Solidarität zwischen den Generationen ist da, in allen Altersgruppen.
Und auch der Wunsch nach Gründung einer eigenen Familie ist nach wie vor stark - zumindest bei jungen Menschen. Denn mit steigendem Alter nimmt der Kinderwunsch ab: die heutigen Realitäten scheinen die Entscheidung für Kinder zu erschweren.
Da sind die gewandelten Rollenverständnisse, vor allem bei den Frauen. Die meisten von ihnen wollen heutzutage - wie immer schon die Männer - beides: kontinuierlich im Berufsleben bleiben und Familie haben. Das wird auch immer notwendiger, denn die beruflichen Perspektiven sind unsicherer geworden; auf ein einziges Familieneinkommen können sich viele Paare kaum mehr verlassen. In unserer zunehmend global vernetzten Arbeitswelt herrscht zudem ein hohes Tempo: Die Verpflichtung zur permanenten Verfügbarkeit, die Notwendigkeit, mobil zu sein und immer länger und flexibler zu arbeiten - all das hat dazu geführt, dass die verlässliche Zeit für Partnerschaft und für Familie geschwunden ist.
All das setzt die Familie von heute unter Druck. Manchmal versagt sie - das sehen wir an der Armut an Bildung und Haltung, mit der manche ihre Kinder ins Leben schicken, das zeigen die erschreckenden Fälle von Kindesmisshandlung. Manchmal sind die Aufgaben, die Familie früher erfüllte, aber auch kaum noch zu leisten. Unsere Steuer-, Sozial- und Bildungspolitik und unsere Infrastruktur hinken den Veränderungen der Familie hinterher, weil sie an überholten Familienbildern ausgerichtet sind. Familien aber brauchen zeitgemäße Strukturen, sie brauchen eine Gesellschaft, die ihnen Zeit lässt und Raum gibt.
Und die Gesellschaft, gerade die alternde Gesellschaft, braucht ihrerseits Familien. Wir können gar nicht hoch genug schätzen, was in gelingenden Familien tagtäglich geleistet wird - bisher übrigens vor allem von Frauen. Hier werden Kinder auf das Leben vorbereitet, die pflegebedürftigen Eltern versorgt, freundschaftliche Bindungen gepflegt. Hier wird das soziale Netz gesponnen, das unsere Gesellschaft zusammenhält. Hier wird - in ökonomischen Termini gesprochen - das Humanvermögen unseres Landes gebildet. Würden wir die Gesamtwertschöpfung der Haushaltsproduktion in Marktpreisen berechnen, so kämen wir auf eine Summe, die in etwa der Wertschöpfung der deutschen Industrie und der Bereiche Handel, Gastgewerbe und Verkehr entspricht - eine beeindruckende Menge an gesellschaftlich notwendiger unbezahlter Arbeit wird da sichtbar. Und noch einmal ganz jenseits des Materiellen: Familien sind das Band zwischen Herkunft und Zukunft.
Wir müssen uns also fragen: Was können wir dafür tun, dass Familie auch künftig gelingen kann - und zwar sowohl zum Glück des Einzelnen wie auch zum Wohle von uns allen? Wie ermöglichen wir Familien, Aufgaben selbst zu erfüllen - und wo müssen andere Institutionen einspringen, weil Familien manches nicht mehr erfüllen können oder dabei versagen?
Das sind Fragen, die uns heute beschäftigen werden. Sie lassen kaum einen Politikbereich unberührt, ob Bildungs- oder Sozialpolitik, ob Wirtschafts-, Finanz- oder Gesundheitspolitik. Und alle politischen wie gesellschaftlichen Ebenen sind gefordert: Die Bundesregierung ebenso wie die Länder, die Kommunen - gerade sie, weil sie am nächsten an den Menschen sind; aber auch die Unternehmen und die Zivilgesellschaft.
Von der Beantwortung der Fragen und vor allem von der Umsetzung der guten Antworten wird nicht nur die Entwicklung der Familie, sondern auch die künftige demographische Entwicklung und damit zugleich auch unser aller gesellschaftliche Zukunft entscheidend abhängen.
Für manches gibt es bereits Lösungsvorschläge, für anderes noch nicht. Damit müssen wir leben. Wichtig ist, dass wir uns dem Wandel nicht versperren. Nur dann bekommen zukünftige Generationen die Chance zur Gestaltung eigener Lebensvorstellungen und Ziele.
"Zukünftige Generationen" - das klingt so fern. Dabei sind diejenigen, die künftig Familie leben werden (oder auch nicht) schon unter uns - einige im wahrsten Sinne des Wortes, bei dieser Konferenz. Es sind Schülerinnen und Schüler aus einer Berliner Hauptschule, einer Realschule und einem Gymnasium - herzlich willkommen! Sie alle gehören zur Generation 90, sind um das Jahr 1990 herum zur Welt gekommen, jetzt also etwa 16 Jahre alt. Wenn Sie so um die dreißig sind, also im Jahre 2020, werden Ihre Eltern - die Babyboomer - in den Ruhestand gehen.
Die jungen Leute dieser "Generation 90" - heute noch Schüler - werden dann die Versorgungsansprüche der Älteren erfüllen und zugleich für ihr eigenes Alter vorsorgen müssen. Sie werden sich für oder gegen die Gründung einer eigenen Familie entscheiden. Was wir heute bereden und was die Politik in diesen Tagen auf allen Ebenen entscheidet oder unterlässt, wird ihre - und damit unser aller - Zukunft beeinflussen.
Wie stellen sich diese jungen Leute ihr Leben im Jahre 2020 vor? Welche Ziele verfolgen sie? Welche Hoffnungen und Ängste haben sie? Das werden wir - zumindest soweit es unsere jungen Gäste angeht - jetzt gleich erfahren aus einem kurzen Filmbeitrag; und hoffentlich werden wir es uns zu Herzen nehmen und mit bedenken - nicht nur in den Debatten dieser Konferenz, sondern auch künftig in unserem Handeln.
Ich wünsche uns allen an diesem Tag eine fruchtbare Zusammenarbeit!
08:28 Veröffentlicht in Demographie | Permalink | Kommentarstatus (1) | Per Email verschicken
09.11.2006
China's elderly abandoned as cities claim the young
Coming on top of the one-child policy, which has turned China into a rapidly ageing society, economic transformation is breaking down the Confucian doctrine of reverence and care for parents. Mass migration of young s to the industrialised east of the country has seen villages emptied of their working-age populations, leaving behind small children and grandparents.
"The reality of China today is that the needs of the elderly cannot be taken care of by the social system," says a provincial politician and businessman. "Most of them must rely on younger people, but today's young people pay attention to their own children, and not to their elders. In our society children have become the highest good, and old people have become nothing."
Some elderly who have been abandoned have sued their children for support. Others have committed . In one recent case, a 70-year-old peasant woman with five sons by drinking pesticide, after breaking her leg and not being able to care for herself. Newspaper accounts said the sons had all built new houses for themselves, but that their mother was living alone in a hut. ~ New York Times, Nov 3
In a move to consolidate the one-child policy, China's central province of Hunan is to provide couples whose only child is or disabled with annual grants of 600 yuan (US$75) after the age of 50. Hunan is the first province to implement this scheme. The central government has announced it will pay the same amount to parents of every one-child family -- and those with two daughters -- in the rural areas from the age of 60. It appears that those who breached the policy will have to fend for themselves. ~ Xinhua, November 6
17:19 Veröffentlicht in Demographie | Permalink | Kommentarstatus (0) | Per Email verschicken
30.06.2006
Lernstunde Demographie
Nach Jahrzehnten der Ignoranz ist demographisches Denken in Deutschland nicht nur salonfähig geworden, sondern ins Zentrum politischen Handelns gerückt. Familien, Kinder, Einwanderer und Ältere, lange Zeit als Nebenfaktoren der Gesellschaft behandelt, entpuppen sich als Determinanten der Zukunft. Was Statistiken, Prognosen und Korrelationen, die der demographischen Forschung entstammen, über sie zu sagen haben, rückt nun mit großer Wucht in den Berliner Raum der politischen Interpretation. Damit steigt aber die Gefahr, die von unvollständigen Daten und schiefen Interpretationen ausgeht. Zugleich werden auf den zahlreichen Foren der demographischen Debatte Stimmen laut, Kindermangel und kollektive Alterung würden sich nicht so dramatisch auswirken, wie es gemeinhin heiße. Herwig Birg, einer der renommiertesten Demographen, beobachtet und kommentiert für uns eine ganze Serie solcher Irrtümer und Legenden, die sich in die Debatte einzuschleichen drohen. Mit der Stimme des Fachmanns will Birg verhindern, daß es sich Politik und Gesellschaft inmitten des Umbruchs zu bequem machen und sich mit wenigen kosmetischen Veränderungen begnügen. F.A.Z.
08:20 Veröffentlicht in Demographie | Permalink | Kommentarstatus (0) | Per Email verschicken


